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Japanische Naturschützer zu Gast bei der Gemeinde Pollenfeld

Es mutet schon überraschend an, dass sich Naturschutzexperten aus dem 9000 Kilometer entfernten Japan an dem Projekt „Mehr Pollen für Pollenfeld“ interessieren.

Japanische Delegation

 
Foto: Die Naturschutzexperten aus Japan zu Bescuh bei der Gemeinde Pollenfeld in Preith

 

Und doch war der Präsident der Umweltorganisation Ecosystem Conservation Society-Japan, Hobun Ikeya mit drei Begleiterinnen in Pollenfeld zu Besuch, um sich über die Initiative „Blühpakt Bayern“ des Bayerischen Umweltministeriums zu informieren, dem die Gemeinde seit dem Jahr 2022 angehört.

Im Rahmen dieses Projektes sollen Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen geschaffen werden, um Wildbienen, Schmetterlingen und Käfern Nahrung, Unterschlupf und Nistplätze zu schaffen. Hier hat die Gemeinde Pollenfeld das Glück, dass mit Anne Fröhlich, die auch Kreisfachberaterin für Gartenbau im Landratsamt ist, eine Fachfrau in der Gemeinde wohnt, die als Biodiversitätsbeauftragte für die Kommune auf diesem Gebiet äußerst aktiv ist. Wie Hobun Ikeya über seine Übersetzerin sagt, wird man in Japan schon fast belächelt, wenn man sich für Insekten engagiert. Er sieht es daher als notwendig an, das Bewusstsein seiner Landsleute zu stärken, wie wichtig Biodiversität, also biologische Artenvielfalt für die Natur ist. „Wie das im Kleinen passiert, muss auch vor Ort besichtigt werden, um zu lernen. Deshalb sind wir hier“, so Ikeya.


Pollenfelds zweiter Bürgermeister Siegfried Fries stellte nach der Begrüßung der Gäste im Rathaus, unter denen auch die Blühpaktberaterin der Regierung von Oberbayern und ein Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde waren, kurz die Kommune vor. Im Anschluss erläuterte Fröhlich die verschiedenen Maßnahmen, die im Rahmen des Blühpaktes, aber auch als freiwillige Leistungen der Gemeinde zur Biodiversität verfolgt werden. Sie erläuterte den ausländischen Gästen die Anlage von Blühwiesen, mit der Aussaat von gebietseinheimischem Saatgut, die Pflege von Streuobstwiesen, aber auch wie wichtig aus ihrer Sicht die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung und die Öffentlichkeitsarbeit ist. Sie betonte dabei auch die ehrenamtlichen Leistungen von Garten- oder Heimatvereinen und Einzelpersonen in diesem Bereich. Auch dies verwunderte die Delegationsmitglieder, da Vereinsleben in ihrer Heimat kaum bekannt sei und ehrenamtliche Arbeit fast nur durch Personen im Rentenalter stattfindet.


Doch dann ging es zusammen hinaus in die Natur und Fröhlich führte die Gruppe entlang des „grünen Streifens“, wie sie es nannte, der in Preith zwischen dem Altort und der Siedlung am Talbuck im Norden des Ortes führt. Bewaffnet mit Stift, Block und vielen Fotoapparaten saugten die Japaner die Informationen und Tipps der Fachfrau förmlich ein. So ging es vorbei an der Streuobstwiese, die in mehr als 500 Stunden Arbeit von Fröhlich und ihrer Familie von Büschen befreit wurde. Damit wurden am Rande des Geländes Reisighaufen als Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere und Insekten geschaffen. Die Mäharbeit wird von Schafen und Ziegen übernommen.

Fröhlich zeigte Beispiele von abgestorbenen Obstbäumen, die als Totholz stehen bleiben dürfen. Weiter ging es zur neuen Preither Kläranlage, in der im Rahmen des Umbaus aus einem alten nicht mehr benötigten Sickerbecken ein Biotop wurde. Von Baggern geschaffene senkrechte Lehmwände wurden stehen gelassen und dienen nun Wildbienen als Unterschlupf. Rund um die Kläranlage begeisterte die Gäste aus Fernost ein geschaffener Käferkeller, Benjeshecken oder eine Fläche bei der durch Übertragung von Mähgut neue Blühflächen entstehen. Wie Fröhlich betonte „wolle man sich mit kleinen Schritten die Natur wieder zurückholen“. Endpunkt des lehrreichen Spazierganges war die im Rahmen des Blühpaktes geschaffene Blühwiese, die durch Abtragung der Grasnarbe abgemagert wurde. Danach wurde die Fläche mit gebietseinheimischem Saatgut angesät und zeigt nun schon erste bunte Blüten.
Bei seiner Verabschiedung bedankte sich der Präsident der japanischen Naturschutzorganisation für die vielen positiven Eindrücke, die er und seine Delegation mit nach Hause nehmen werden. „Es ist für uns unbegreiflich, dass in einer so relativ kleinen Gemeinde so viel für die biologische Vielfalt gemacht wird. Den Klimawandel werden wir als Einzelne schwer aufhalten können. Aber egal ob es kälter oder wärmer wird, mit Maßnahmen zur Biodiversität können wir positiven Einfluss auf die Natur ausüben. Das ist es was, wir mitnehmen“, so Ikeya.